Dankbarkeit – nicht einfach wenn’s drum geht

Saturday, 11. November 2017

Sieg bei der Segel Bundesliga 2017

Großer Dank an alle Segler die mit uns trainiert haben und nicht beim Finale in Berlin an Bord sein konnten. Jungs, wir sind alle Deutscher Meister und das ihr uns so zahlreich in Berlin besucht habt ist ein großes Geschenk.  Das harte Training und die Gemeinschaft sind der Grundstein für unsere Leistungsfähigkeit. Ich bin froh mit Euch diesen Kurs eingeschlagen zu haben.

Klaus Lahme als Clubmanager hat unser Team professionell gesteuert, zusammen mit seinem Team Vieles organisiert und uns damit den Rücken freigehalten.

Die finanzielle Unterstützung von Menschen die an uns geglaubt haben, hat uns die Regattasaison und auch die notwendigen Frühjahrstrainings ermöglicht – vielen Dank an den NRV Supporter Club.

Sven Jürgensen hat uns nicht nur medial begleitet, sondern gemeinsam mit Claudia auch durch Begeisterung beflügelt und Kraft gegeben. Außerdem gilt unser Dank Gyde und Gunther Persiehl, die durch ihre persönliche Präsenz bei den wichtigen Momenten geholfen haben.  Ihren positiven Spirit an unserer Seite zu wissen war eine Ermutigung für das ganze Team.  

 

Die Regatta in Berlin gestaltete sich für ein Finale passend – äußerst spannend und ein Nervenspiel bis zum Schluss. Wir begannen auf dem Wannsee mit wenig Wind und noch weniger Platz von der Luvtonne zum Land. Böen und Winddreher beeinflussten damit das Renngeschehen zu einem guten Teil unvorhersehbar. Zum Anfang sind wir mit dieser Problemstellung nicht gut umgegangen. Unsere strategische Quote, also die richtige Seitenwahl auf der Kreuz, lag in den ersten 10 Rennen bei mageren 33%. Ich glaube im Nachhinein, dass wir zu steif unterwegs waren und an unserem Plan zu lange festhielten. Normalerweise erreichen wir Werte zwischen 60% und 85%. Wir konnten zwar im Rennverlauf häufig noch einige Plätze aufholen, aber für mehr als das Mittelfeld reichte es nicht.

Das war natürlich, sagen wir mal ein „ungewöhnliches“ Gefühl. Glücklicherweise stellten sich unsere Konkurrenten aus Überlingen (SMCÜ) und vom Starnberger See (DTYC) nicht viel besser an. Vor dem Abschlusstag war für alle Teams noch der Meistertitel drin. 

Es begann wie im Bilderbuch, der DTYC gewinnt sein erstes Rennen und wir werden in unserem Flight nach einer strategischen Fehlentscheidung letzter.

Vor dem nächsten Rennen schlief der Wind einmal komplett ein und die Bahn wurde verlegt. Mehr Wartezeit an Land, mehr Zeit für sinnloses Affengeschnatter im Kopf. Wir spürten alle, dass es jetzt so richtig losging, im Kopf. Das Nervenspiel um den Meistertitel war eröffnet.

Gedankenhygiene war jetzt angesagt. Wir haben die Zeit im Team z.B. dafür genutzt um darüber zu sprechen wofür wir dankbar sind.

Als wir bei 2 Bft. zum nächsten Rennen ausliefen war an Bord allen klar was jetzt passieren sollte und trotzdem sprach keiner darüber, wir machten weiter unsere Scherze vor dem Start und legten dann bestimmt los. Wir fanden Rhythmus und Konsequenz und legten in den letzten vier Rennen der Regatta eine unserer besten Leistungen des Jahres auf den Parcours. Für mich lag der Schlüssel in der Fokussierung auf die Entwicklung des Rennverlaufs, also dem Bestreben danach die nächsten Schläge der  Konkurrenz vorherzusehen und nicht auf Winddreher zu reagieren wenn sie alle auf dem Wasser sehen konnten.

Besonders die erste Kreuz im letzten Rennen geht mir dabei öfter durch den Kopf. Alle drei Top Teams in einem Flight. Jeder kann noch gewinnen. Der Wind pendelt und ist böig. Wir liefern uns mit den Überlingern vor dem Start einen Zweikampf, kommen mit etwas mehr Speed über die Linie und zwingen unsere Konkurrenten zur Wende. Der DTYC startet ganz in Lee und fährt offensiv auf die Linke Seite, im Nachhinein keine gute Entscheidung. Wir kreuzen über die Mitte auf. Bekommen ein paar Böen und können die Überliner bis kurz vor der Tonne auf der rechten Seite halten. Dann erkennen wir dort ein Windloch. Das ist unsere Chance. Wir halten uns weiter links von Überlingen, fahren eine offene Deckung und umfahren so das Windloch. An der Luvtonne ist aus wenigen Sekunden ein mehr als 100 Meter großer Vorsprung geworden. Danach bringen wir das Rennen sicher ins Ziel.

Oft ist es in der Bundesliga so ein Schlüsselmoment in dem man mit dem richtigen Überblick aus einem kleinen taktischen Vorteil einen großen Vorsprung generieren kann.

Nach dem Zieldurchgang fällt  bei uns die komplette Anspannung ab. Wir haben echt die Bundesliga im letzten und damit entscheidenden Rennen gewonnen. Was für ein Geschenk.   

 

Beim Spieltag in Berlin reichte es für uns dank des Schlussspurts noch für Rang vier. Knapp hinter Düsseldorf und Chiemsee. Verdient gewonnen haben das Event die Lindauer, die nach zwei schwachen Spieltagen in Travemünde und Glücksburg wieder zu ihrer Form bei schwierigen Bedingungen gefunden haben.

 

In der Gesamtwertung der Segel Bundesliga 2017 belegt der DTYC Platz mit insgesamt 36 Punkte und damit 28% mehr als wir Rang zwei. Der SMCÜ komplettiert knapp dahinter das Podium.  

 

Mit dem Sieg haben wir uns gleichermaßen für die Champions League und das Nord-Stream Race 2018 qualifiziert. Auf das Nord-Stream Race bin ich sehr gespannt. Ich selber habe keine Erfahrung mit einer solchen Art von Regatta. Es wird also bestimmt in vielerlei Hinsicht Horizonte erweitern.

Bei der Champions League können wir konkretere Ambitionen haben. Der 6. Platz in diesem Jahr war sicherlich gut, aber ich glaube da geht noch mehr. So ist nach der Saison auch ein bisschen vor der Saison, denn die ersten Trainings sind schon geplant und das Fitnesstraining wieder im vollem Gange.

 

Zum Abschluss möchte ich doch noch einmal auf Dankbarkeit zurückkommen. Die Dankbarkeitsrunde in der Rennpause am letzten Tag war für uns eine sehr kraftvolle Übung. Es ist eine meiner Lieblingsübungen im Mentaltraining ob im Business oder Sport und die Haltung mit der ich auf die vergangene Saison zurückblicke.

 

 

Tobias

 


 

 

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